Lübeck liebt MuK

MuK-Akustik besser als in der Elphi

Münchner Gutachter bescheinigt der sanierten Spielstätte eine noch höhere Klangqualität – Messungen laufen noch – 1500 Bürger eröffnen den Saal mit einem gemeinsamen Singen.

Die Verantwortlichen der Musik- und Kongresshalle (MuK) haben das schon ein paar Mal öffentlich behauptet. Aber jetzt bekommen sie die gutachterliche Bestätigung: Die Akustik im frisch sanierten Konzertsaal der MuK ist besser als die im spektakulären Saal der Elbphilharmonie (Elphi). „Die MuK ist in Norddeutschland das beste Konzerthaus“, sagt der Münchner Akustik-Professor Karlheinz Müller, „und die Akustik viel besser als in der Elbphilharmonie.“ Er würde ein Bruckner-Konzert lieber in der MuK als in der Elphi hören, erklärt der Professor, der die wichtigsten Konzertsäle in Europa und den USA kennt und seit über 40 Jahren beim Bau von Spielstätten akustische Beratung anbietet.

Müller, der mit seiner Firma Müller-BBM, schon vor 23 Jahren beim Bau der MuK als Berater tätig war, misst mit seinem Team gerade im frisch sanierten Konzertsaal. Die Sanierung sei gelungen, verrät der Akustik-Professor schon jetzt, obwohl die endgültigen Ergebnisse erst in zwei Wochen vorliegen. „Es ist sogar zu einer leichten Verbesserung gekommen“, sagt Müller, „die endgültige Auswertung wird ein freudiges Ergebnis bringen.“ Der 66-jährige Gutachter sieht den MuK-Konzertsaal im internationalen Vergleich sehr weit vorne. Der Klang sei warm und weich, während er in der Elbphilharmonie wesentlich trockener klinge.

Müller lobt die Stadt und die MuK für die Entscheidung, die absturzgefährdete Decke nicht herauszureißen, sondern zu ertüchtigen. Mit 35000 Schrauben und 7000 zusätzlichen Abhängungen wurde die Akustikdecke stabilisiert. „Auch das hat die Akustik verbessert“, erklärt Heike Brons-Schnell, Projektleiterin des städtischen Gebäudemanagements, „die Decke kann weniger nachschwingen.“ Die Decke würde die Klänge voll reflektieren, bestätigt der Münchner Gutachter, und sie verändere auch die Klangfarbe nicht. „Die Vorgaben sind genau erfüllt“, sagt Müller.

Mit Hilfe des Münchner Gutachterbüros wurden auch die fast 2000 Stühle im Konzertsaal erneuert. Immer wieder sei die „leichte bis mittelschwere Polsterung“ nachgebessert worden. An zahlreichen Punkten im Saal spielen Müllers Mitarbeiter Töne zwischen 50 und 12000 Hertz ein und messen unter anderem die Nachhallzeit.

Prof. Karlheinz Müller und Diplom-Ingenieurin Petra Nies vom Münchner Gutachterbüro Müller-BBM messen Töne zwischen 50 und 12000 Hertz im frisch sanierten Konzertsaal der MuK. Warm und weich seien die Klänge, die von der neuen Decke voll reflektiert würden.

Der Saal, der 17 Monate lang gesperrt war, wird am Freitag mit einem gemeinsamen Singen von 1500 Bürgern wiedereröffnet. „Wir sind ausverkauft“, sagt MuK-Sprecherin Gesa Lüdeke, „es ist ein tolles Wiedersehen.“ Der sanierte Saal sei noch schöner und klangvoller. Am 6. Mai folgt die festliche Übergabe mit einem Festkonzert des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt.

„Die Bauarbeiten sind beendet, die Abnahme hat gestern stattgefunden“, erklärt Projektleiterin Brons-Schnell. Neben der Sanierung der Decke wurden das Parkett abgeschliffen und aufgearbeitet, die Beleuchtung auf LED umgestellt und die Treppenstufen markiert. Auch der Kostenrahmen sei eingehalten worden, erklärt Projektleiterin Brons-Schnell. 8,4 Millionen Euro brutto kostet die Maßnahmen, die Stadt kann Vorsteuerabzug geltend machen und kommt daher auf sieben Millionen Euro. Eine Million Euro hat die Possehl-Stiftung gespendet, zwei Millionen kommen vom Land, und vier Millionen bringt die Stadt aus Krediten auf. Auch dabei erfährt sie Hilfe vom Land, sie bekommt zinsgünstige Darlehen. Die lange Schließung des Saales hat die MuK mehrere Veranstaltungen und Kongresse gekostet. Zudem stieg der städtische Zuschuss von knapp 500000 auf 1,6 Millionen Euro.

Mit der Erneuerung des Konzertsaales ist zwar der wichtigste Schritt getan, aber die Sanierung des gesamten Gebäudes geht noch bis 2022 weiter. Rund 15 Millionen Euro sind für die Erneuerung von Fassade, Dach und Rotunde eingeplant. Das Land springt der MuK und Lübeck auch dabei zur Seite und schießt in mehreren Tranchen fünf Millionen Euro zu.

Musiker und Komödianten

Otto Waalkes, der berühmte Komödiant, wollte nicht in der Rotunde spielen und ließ ein Gastspiel in Lübeck sausen. Jetzt ist der Konzertsaal fertig und der Blödelbarde kommt wieder in die Hansestadt – am 20. und 21. Mai mit dem Programm „Holdrio again“. Am 12. Mai kehrt das NDR-Elbphilharmonie-Orchester zurück in den MuK-Saal und spielt Werke von Glinka, Bartok und Rachmaninow. Der erste Künstler, der den sanierten Konzertsaal nutzt, ist der Comedian Paul Panzer, der am 22. und 23. April mit „Invasion der Verrückten“ gastiert.